Eine Erfahrung auf die man gerne verzichtet hätte

oder

Eine Warnung für die, die nur mal eben einen Wurf ziehen möchten

Flawinja wurde im Januar belegt. Es war alles wie immer. Ab der fünften Woche der Trächtigkeit fiel uns jedoch auf, dass sie einen für die Zeit schon sehr runden Bauch präsentierte. Aber ansonsten war Sie die Alte.


Wir vermissten das Erbrechen während ihrer Trächtigkeit, das immer in den ersten drei Wochen nach einer Belegung auftritt. Nun ja...

Unsere Maus hatte ab der 6. Woche von sich aus begonnen, nur noch ein Viertel von der normalen Tagesration zu sich zu nehmen. Es machte uns ein wenig stutzig, aber nach einer Kontrolle beim Tierarzt hieß es, es sei alles in Ordnung.

Dann kam der Abend am 52. Tag der Trächtigkeit. Flawinja verweigerte ihr Abendbrot., nicht einmal untergemischte Leberwurst konnte sie umstimmen. Sie lag lieber flach auf ihrem verdammt dicken Bauch.

Seit 5 Tagen lief sie nicht mehr, es sei denn zum Geschäft machen oder um mich zu verfolgen. Alles war anders als sonst in ihrer Trächtigkeit. Sie war unruhiger und anhänglicher als üblich.

Ich ging mit allen unseren Hundis ins Schlafzimmer. Flawinja hatte ihr eigenes Reich, ein Reisebett als Wurfbett mit allem, was eine werdende Hundedame benötigt. Es stand alles bereit. Sie legte sich hin. Ich ging an den PC, wie jeden Abend gegen 23 Uhr.

Dann wurde ich stutzig. Flawinja ging in die Wurfbox und buddelte wie noch nie. Sie winselte vor sich hin - untypisch für sie. Auch fing sie sofort an zu pressen. Die Wehen kamen bereits alle 2 Minuten.

Ich schaute auf meinen Kalender und zählte die Tage. - Mist, erst der 52. Tag! Ob das alles gut gehen wird? Die Geburt begann unweigerlich zu früh.

Nach einer halben Stunde war das erste Frühchen da. Ein Mädchen mit 100 Gramm Gewicht und Schnappatmung. Wir schlugen sie aus, saugten ab, rubbelten... Nach einer
Dreiviertelstunde der erste zaghafte kleine Aufschrei eines kleinen Yorkiewelpen. Wir legten sie an die Zitzen.

Es ging sofort weiter: ein Rüde mit 80 Gramm, noch ein Rüde mit 80 Gramm,  eine Hündin mit 70 Gramm und noch ein Mädchen mit 90 Gramm. Eine Freude für jeden Züchter, wenn so kleine Knäule vor einem liegen. Aber unsere Kleinen waren noch nicht fertig ausgebildet. Sie hatten keine Haare und keinen Schluckreflex.

Wir begannen mit der Pipette die Milchtröpfchen Tröpfchen für Tröpfchen in die
kleinen Mäulchen zu geben. Ab und zu rutschte einer in den Rachenraum, der Rest lief vorbei.

Wir wechselten uns in der Familie ab. Tag und Nacht - immer und immer wieder.
Flawinja legte sie warm. Die Heizdecke und das Infrarotlicht waren im Dauerstress. Alle fühlten sich an wie Nackthunde. Aber sie schrieen nicht - noch nicht.

Sie wurden geboren in der Frühe des 17. März 2010. Der Erste hatte am 18. plötzlich kalte Hinterbeinchen. Es blieb noch immer keine Milch in den Kleinen drin. Sie hatten weder Saugkraft noch den Reflex dazu. Wenn wir Sie anlegten, wurde nur genuckelt und eingeschlafen.

Beim zweiten kam die Schnappatmung wieder. Auch er hatte jetzt erkaltete Hinterbeinchen. Mir war klar, die beiden würden die Ersten sein, die den Regenbogen besuchen werden, um dort hoffentlich ein besseres Welpenleben kennen zu lernen.

Sie verstarben am Donnerstagnachmittag innerhalb einer Stunde. Das gleiche wiederholte sich mit weiteren zweien in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag. Es fing wieder mit kalten Beinchen an, dann schreien... wimmern. Ich hielt sie in meinen Händen. Die Wärme gab ihnen einen Grund sich zu beruhigen. Aber das Wimmern vor Hunger
blieb. Ich habe Welpen noch nie so weinen gehört. - Ich möchte es auch nie wieder hören. Es tut weh...

Nun hatten wir nur noch unsere Hündin, 100 Gramm hatte sie bei der Geburt gewogen. Jetzt waren es nur noch 80 Gramm. Die Haut begann faltig zu werden. Sie kämpfte weiter... Sie kämpfte um die Wärme an Flawinjas Bauch, man sah sie kaum.

Wir tröpfelten ihr verbissen weiter die Milch ins Mäulchen. - Sie lief links und rechts vorbei... Ihr Köpfchen war zu schwach, um es anzuheben. Es war ihr egal, wenn sie in meiner Hand auf dem Rücken lag. Sie hatte aufgegeben...

Flawinja wollte sie jedoch unbedingt bei sich haben. Sie traute mir mittlerweile nicht mehr. Ein Welpe nach dem anderen war verschwunden. Diese eine Hündin wollte sie behalten. Voller Liebe wandte sie sich dem kleinen Welpen zu - und mit einem bösen Blick zu mir.

Ich gab sie ihr. Wir nannten sie Mon-Cherie. Auch sie schnappte nun nach Luft. - Ich nahm Abschied. Es war Zeit, dass Flawinja auch diesen Abschied nehmen musste.

Ich ging kurz weg. Es tat weh, seine Yorkiehündin so leiden zu sehen. Ich leerte die Waschmaschine, da ich begonnen hatte, alles zu reinigen, was mit Duft der Welpen zu tun hatte.

Als ich in den Flur zurückkam, saß Flawinja da, Mon-Cherie tot im Maul. Sie legte sie ab, schaute mich an und schrie. Ein Schrei, der durch Mark und Bein ging.

Dann nahm sie das Würmchen und suchte das Weite. Sie wollte vermeiden, dass ich ihr auch den letzten Welpen wieder wegnehmen würde.

Wir ließen ihr den letzen Welpen eine halbe Stunde. Dann nahm ich ihn und brachte ihn in die Pathologie. Er sollte untersucht werden. Auf das Ergebnis müssen wir nun drei Wochen warten.

Flawinja bekam nun Milch stillende Medikamente. Sie suchte... Nach einigen Tagen fuhr ich mit ihr zur Klinik. Mein Gefühl sagte mir, dass da etwas nicht in Ordnung war.

Diesmal wählten wir eine andere Klinik, da man uns in der letzten Klinik 4 statt 5 Welpen vorausgesagt hatte.

Der Tierarzt meinte: "Es waren 5 statt 4?" "Ja", meinte ich. Er untersuchte Flawinja per Ultraschall. In mir kam ein übles Gefühl hoch... Er meinte plötzlich: "Da ist noch ein sechstes drin, aber nur Masse. Es sind keine Knochen zu erkennen."

Für mich ein Schock, aber es erklärte Flawinjas Verhalten, denn sie zitterte ständig und hechelte immer noch wie bei der Geburt.

Seit Samstag bekam sie nun alle 8 Stunden eine Spritze, die die Wehentätigkeit erneut auslösen sollte. Mir schmerzte das Setzen dieser Spritzen mehr als sie ahnte. Dazu der fragende Blick: "Warum das alles?", ein Blick, den Züchter kennen. Es tat weh.

Am Sonntag zeigte sich keine Änderung, obwohl sie bereits 4 Spritzen bekommen hatte. Deshalb wurde am Montag der sechste Welpe operativ entfernt. Er hätte seine Mutter nie auf natürlichem Wege verlassen können, da es sich nur noch um eine undefinierbare Masse handelte, die vermutlich auch die vorzeitige Geburt ausgelöst hatte.

Wir nehmen Flawinja jetzt aus der Zucht. So einen Abschluss hatte die Zuchthündin allerdings nicht verdient. Sie schenkte uns wunderschöne Welpen, war nie krank und kann nun keinem Welpen mehr ihre Mutterliebe schenken.

Alle fünf sind auf dem Regenbogen verschwunden, ohne je das Licht gesehen zu haben.

Es ist nicht immer einfach, wenn man züchtet. Man muss leider auch auf das Schlimmste gefasst sein. Das kann jeder erleben, aber wünschen möchte ich es nicht einmal meinem ärgsten Feind.

Flawinja geht es inzwischen wieder gut. Trotzdem muss sie jetzt erst einmal in Ruhe genesen und sich verwöhnen lassen. In einigen Tagen kann sie ihr Rudel bestimmt wieder so energisch führen wie eh und je. Und in einigen Wochen machen wir Urlaub an der Nordsee. Da heißt es dann Erholung pur und neue Kräfte sammeln. Das hat sie sich verdient!

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